Winteransitz in der Feldberger Seenlandschaft


Ende Januar bin ich hoffnungsvoll zum zweiten Mal aufgebrochen in die Feldberger Seenlandschaft im Nordosten Deutschlands, um in winterlicher Landschaft Seeadler, Bussarde und anderes vom Ansitz aus zu fotografieren.

Diesmal bin ich nicht alleine, sondern in Begleitung meines Fotokumpels Marco Rufer.

Schon seit Monaten freuen wir uns wie kleine Kinder auf diese gemeinsame Woche und wir sind gespannt, wie wir zusammen harmonieren würden, so 6 Tage während je 8 Std zusammen auf einer kleinen Fläche ruhig zu sitzen.

Die Anreise klappt wiederum tadellos und schon bald sitzen wir im Deutschen Haus und schmieden mit Fred Bollmann Pläne für den ersten Ansitz im Erdversteck. Das Wetter ist frostig, die meisten Flächen eisbedeckt, aber es hat keinen Schnee.

Schon der erste Tag bringt Sonne und traumhaftes Licht zum Fotografieren. Viele schöne Bussarde kommen zum Köder und streiten sich um das Futter. Wir denken: wow, was für ein Auftakt!!

Und am Abend im Hotel strahlen unsere Augen, wenn wir sehen, wieviel schöne Fotos wir bereits schiessen konnten.

Am 2. Tag wechseln wir zum Ostufer-Versteck und erhoffen uns, einen oder gar mehrere Seeadler vor die Linse zu bekommen. Das Wetter ist etwas bedeckt, aber es entsteht trotzdem eine interessante Kulisse, insbesondere, weil am Ostufer ein paar schöne alte Baumstämme, Äste und Steine liegen und die Lage des Köders auf einer kleinen Kuppe, eine interessante Szene verspricht.

Ausser Krähen, Elstern und vielen Mäusebussarden in verschiedensten Farben und Gefiederzeichnungen ist lange weit und breit kein Adler zu sehen.

Trotzdem schiessen wir aus allen Rohren, wenn sich mal etwas Spannendes abspielt. Das erlaubt uns auch immer wieder, die besten Einstellungen an der Kamera auszuprobieren.

Als dann plötzlich 2 Wanderer querbeet durch unser Fotorevier latschen, ist die Hoffnung einen Adler zu sehen dahin.

Doch dann erspähen wir auf dem 100m entfernten Baum plötzlich eine grössere Vogelgestalt: ein Seeadler! Sofort erstarren wir zu Stein...ab jetzt darf keiner mehr die Kamera berühren, denn jede kleinste Bewegung des Objektivs würde vom Adler erkannt werden und er würde sofort die Flucht ergreifen. Adler beobachten seeehr lange die Gegend und schätzen die Situation ein. Sie sind äusserst vorsichtig und scheu. Wir einigen uns darauf, dass erst fotografiert wird, wenn der Adler zu fressen begonnen hat.

Nun gut....es dauert und dauert ...und doch geben wir die Hoffnung nicht auf, dass er sich doch irgendwann durchringen würde, an den Köder zu kommen.

Fred haben wir telefonisch informiert, dass er noch nicht aufzutauchen brauche, weil wir gerade Adler in der Nähe haben.

Langsam schlägt auch das Wetter um und es beginnt leicht zu schneien. Die Stimmung ist dunkel und trüb.

Aber wie aus dem Nichts steht der Adler plötzlich auf der Anhöhe beim Köder. Es ist blitzschnell passiert. Wir warten voller Anspannung, dass er sich zum Köder bewegen würde. Doch er schaut nur sehr aufmerksam in alle Richtungen. Ein Jungvogel! Und so wie er gekommen ist, fliegt er auch wieder weg zum Baum. Mist!!!

Wir beschliessen, bei einer allfälligen Rückkehr des Adlers früher zu fotografieren, damit wir wenigstens etwas im Kasten haben. Und tatsächlich kommt dieser Jungadler um 15:40h wieder, setzt sich auf den Ast, spaziert ein bisschen neben dem Köder hin und her, ist aber überhaupt nicht in Fresslaune.

Wir können ein paar Aufnahmen sichern und der Tag ist gerettet.

Nicht lange bleibt er da, dann sucht er wieder das Weite.

Die ganze Nacht hat es geschneit. Am 3. Tag liegt Feldberg unter einer 25cm dicken Schneedecke und unsere Herzen frohlocken. Heute MUSS der Adler zum Fressen kommen.

Zu viert fahren wir diesmal wieder zum Ostufer-Versteck, wobei Fred zuerst ein wenig skeptisch ist, ob er es im tiefen Schnee mit dem T4 über die Felder schaffen würde. Ohne Probleme meistert das Fahrzeug jedoch alle Steigungen und Abfahrten.

Heute können wir unsere ersten Fotos im Schnee machen. Wundervoll!

Aber schon wieder leider kein Seeadler in der Nähe. Meistens sitzen einer oder zwei auf dem Baum gegenüber und beobachten.

Etwas frustriert kehren wir wieder zurück zum Hotel, wenigstens mit ein paar guten Bussardbildern im Schnee.

Am 4. Tag sind wir wieder zu dritt und wir beschliessen, einen letzten Versuch am Ostufer zu starten.

Und siehe da: bereits am Vormittag schaut ein Jungadler bei uns vorbei, nimmt ein paar Bissen vom Futter und verschwindet dann aber schnell wieder. Das war's dann schon! :-(

Wieder nur die Zeit, um 1- 2 Fotos vom Adler zu machen. Trotzdem und trotz des düsteren Wetters entstehen auch heute ein paar gute Aufnahmen von Bussarden, aber auch von Krähen und Elstern, die zur Not auch noch ein gutes Motiv abgeben.

Das sind die Momente, wo Sitzleder, Geduld und Ausdauer gefragt sind. Als Wildtierfotograf muss man wissen, dass man die Natur nicht vorausbestimmen kann. Wer ein Tier auf sicher fotografieren will, muss in den Zoo. Hier ist nichts garantiert.

Doch Beharrlichkeit wird irgendwann belohnt! Und das scheint am 5. Tag der Fall zu sein.

Genug vom Ostufer, genug von anderen Fotografen, genug vom düsteren Wetter, machen wir uns wie jeden Morgen um 7 Uhr auf den Weg ins Erdversteck.

Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass dies der Hammertag der Woche wird.

Es beginnt schon vielversprechend mit gutem Licht. Aber dann kommt schon um 9.30h der erste Jungadler, macht sich am Köder zu schaffen, fliegt wieder weg, kommt wieder, fliegt wieder weg und kommt dann fast eine Stunde später wieder, um sich im schönsten Licht zu präsentieren.

Die Szenen spielen sich auf der ganzen Eisfläche ab. Der dominante Adler verdrängt alle anderen. V.a. Bussarde sind weit und breit keine mehr zu sehen, wenn Adler in der Nähe sind.

Nur Elstern und Nebelkrähen lassen sich nicht einschüchtern.

Eine ganze viertel Stunde hält sich dieser junge Adler hier auf und fliegt dann fort.

Wenig später tauchen auch schon die Bussarde wieder auf und somit wissen wir, dass es in der Nähe keine Adler mehr geben muss.

Bis 16h ziehen dann bis zu 7 Bussarde gleichzeitig ihre Show durch, dann verschwinden plötzlich alle und die Luft knistert wieder. 3 Minuten später steht ein fast ausgewachsenes Adlermännchen da, checkt die Lage und stürzt sich dann auf den Köder, denn er an sich reisst und ein paar Meter nach hinten wegschleppt.

Dass der Köder zu schwer ist, um damit wegzufliegen, merkt er rasch. Deshalb reisst er wie ein Irrer daran und versucht ihn zu teilen. Dies gelingt ihm dann auch fast, als er plötzlich nervös wird und nach oben schaut. Wir merken, irgendetwas ist im Anflug und es hat's auf seine Beute abgesehen.

Dann geht alles sehr schnell und ein riesiges Weibchen stürzt sich auf das Stück Fleisch, wobei der Köder jetzt in zwei Hälften zerrissen wird.

Unsere Kameras laufen zu diesem Zeitpunkt heiss! Unser Adrenalinspiegel ist gestiegen. Die Uhr unserer Serienbilder zeigt, dass sich alles innerhalb von ca. 3 Sekunden abgespielt hat.

Das grosse ausgewachsene Weibchen verschwindet kurz wieder und der Teenager widmet sich dem nun kleineren Stück Fleisch.

Das Alttier gibt nicht auf und will sich ihr Stück Fleisch holen. Deshalb fliegt sie kurz danach wieder an und bei diesem Anflug ist gut zu erkennen, dass der Vogel beringt ist.

Auf unseren Fotos ist deutlich zu erkennen, dass es sich um Adler Nummer A3/F7 handelt. Auch Fred ist völlig aus dem Häuschen, dass wir einen beringten Adler identifizieren konnten. Er meldet den Code zur Abklärung und es wird festgestellt, dass das dominante Weibchen über 10 Jahre alt ist und im Juni 2006 in ca. 20km Distanz als Küken beringt wurde.

Wir sind aus dem Häuschen und dankbar für diesen wundervollen Tag mit viel Action.

Im Hotel wird es gebührend gefeiert mit einem feinen Stück Fleisch.

Und last but not least:

Die beiden Marcos haben tadellos harmoniert. Ich hab "Rufi" während dieser Woche besser kennenlernen dürfen. Ich habe festgestellt, dass er ein sehr angenehmer, umgänglicher Mensch ist, dass wir ähnlich denken und einen ähnlichen Humor teilen. Wir können beide voneinander lernen und profitieren, um in der Wildtierfotografie besser zu werden und stets tolle Bilder liefern zu können. Danke Marco!

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Kommentare: 1
  • #1

    Adrian Wirz (Freitag, 10 Februar 2017 10:04)

    Interessanter Blog, sehr schön uns spannend geschrieben! freue mich auf weitere Beiträge. Liebe Grüsse Adrian